WAS IST STOTTERN:
DEFINITION, SYMPTOMATIK, URSACHEN, PROGNOSE

Definition

Man unterscheidet Sprech- und Sprachstörungen:

Sprachstörung
ist die Störung der gedanklichen Erzeugung und des Gesamtablaufs von Sprache. Sprachaufbau und Sprachvermögen sind beeinträchtigt.

Sprechstörung
ist die Unfähigkeit, Sprachlaute korrekt und flüssig zu artikulieren. Es ist nur die motorische Erzeugung von Lauten betroffen.

Stottern ist KEINE psychische Störung.


Symptomatik

Stottern ist eine Störung des Sprechablaufs und macht sich in auffällig häufigen Unterbrechungen im Redefluss bemerkbar.

Es kommt zu Wiederholungen von Satzteilen, Worten und Silben (klonische Elemente) oder zu Blockaden und Dehnungen (tonische Elemente).

Stottern verläuft zu Beginn meistens phasenweise: mal ist es häufiger, dann seltener oder auch gar nicht vorhanden. Mit zunehmendem Alter verfestigt es sich. Es können sich Sekundärsymptome einstellen, wie Vermeidensverhalten, Satzumstellungen, körperliche Mitbewegungen, Kommunikationsängste.


Ursachen (Ätiologie)

Die Komplexität von Sprache und Sprechen bedingt, dass die Ursache des Stotterns nicht immer genau eingegrenzt werden kann. Daher haben sich folgende Erklärungsmodelle durchgesetzt:

A. Die multifaktorielle Betrachtungsweise geht davon aus, dass immer mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um Stottern auszulösen und zu verfestigen, das können sein:

Organische Ursachen: neurologische Störungen, Veränderung der zerebralen Dominanz, neuromotorische Koordinationsstörung, Wahrnehmungsstörung.

Erblich bedingte Ursachen: Es wird nur die Veranlagung vererbt, Stottern tritt oft familiär gehäuft auf. Die Umstände der ersten Lebensjahre und der Sprachentwicklung bestimmen dann, ob die Anlage zum Vorschein kommt oder nicht. Psychische Einflüsse können dabei eine Rolle spielen, stellen jedoch nicht die Ursache dar.

Psychische Einflüsse: Verschiedene seelische Belastungen, denen ein Kind schon sehr früh ausgesetzt ist, können sich in Störungen der Sprache und des Sprechens bemerkbar machen. Dazu gehören z.B. Partnerschaftsprobleme der Eltern, wechselnde Erziehungsstile, Krankenhausaufenthalte oder Geschwisterrivalitäten. Auch der psychische Druck, den das Kind aufgrund seines Stotterns empfindet, kann die Auffälligkeiten in der Sprache noch verstärken.

Soziokulturelle Einflüsse: Schon in frühester Kindheit ist Sprache heute immer weniger Hauptkommunikationsmittel. Fernsehen, Computerspiel und Videospiele nehmen einen Großteil der Aktivitäten ein. Lesen, Vorlesen, sich unterhalten, Sprachspiele, Geschichten erfinden und erzählen wird immer seltener. Mangelnde Übung und Anregung führen dazu, dass Kinder in ihrer Sprachentwicklung zu wenig gefördert werden. Gleichzeitig sind die gesellschaftlichen Normen und Anforderungen an die Sprache sehr hoch. Das kann dazu führen, dass Kinder sehr schnell zu "Versagern" abgestempelt werden, wenn sie etwas mehr Zeit benötigen.

B. Das Anforderungs- und Kapazitätenmodel erklärt das Stottern damit, daß die notwendigen kommunikativen Fähigkeiten für ein fließendes Sprechen nicht ausreichen.

C. Die idiographische (einzelfallorientierte) Betrachtungsweise sagt aus, dass sich jeder Stotternde nicht nur in seiner Symptomatik, sondern auch bei Ursache, Weiterentwicklung und aktueller Problemstellung von jedem anderen Stotternden unterscheidet.


In der Erforschung der Ursachen ist also noch vieles unklar. Auch warum etwa viermal mehr Buben als Mädchen stottern, ist noch nicht hinreichend geklärt.

Stottern ist KEINE psychische Störung. Seit Menschengedenken gibt es in allen Kulturen und Gesellschaftsschichten Stotternde.

Wenn Stottern zu einem Problem in der Sprachentwicklung wird, sollte die Familie sich beraten lassen. Auf keinen Fall darf abgewartet werden nach dem Motto: Das wird sich schon "auswachsen".


Prognose

Von den 4 - 5% der Schulkinder, die Stotterersymptome zeigen, wird nur jedes fünfte über das Jugendalter hinaus stottern.

Je jünger ein Kind ist und je früher interveniert wird, desto größer ist die Chance, dass es seine Sprechunflüssigkeiten ganz überwindet. Je älter ein Kind ist und je länger es stottert, desto geringer wird die Möglichkeit, dass die Sprechstörung wieder völlig verschwindet.

Stottern kann jedoch auch noch im Erwachsenenalter durch Therapien soweit verringert bzw. verändert werden, dass es keine Behinderung im täglichen Leben darstellt.

Buchtipps für Erwachsene zur Erstinformation

01.01.2010



Stottern erfolgreich bewältigen / Angelika Schindler / Ratgeber für Betroffene und Angehörige

FAQ - Was Sie schon immer über Stottern wissen wollten / Ulrich Natke / Basisinformation, 20 Seiten

Entmachtung des Stotterns / Erhard Hennen / Erfahrungsberichte

An einen Stotterer / Stephen B. Hood / Erfahrungsberichte

Buchtipps für Eltern und PädagogInnen

01.01.2010



FAQ zum Stottern für Schulkinder / Sabine Kuckenberg
Basisinformation, 20 Seiten, mit Tipps zum Umgang mit Hänseln

Was ist ein U-U-Uhu? / Peter Schneider und Gisela Schartmann
Ein Mutmachbuch für stotternde Kinder und ihre Spielgefährten

Sprich mit mir! / Mehr Zeit für Kinder e.V.
Tipps, Ideen, Informationen und Spiele zur Förderung der Sprachentwicklung

fließend sprechen / Alfred Baur
Sprachspiele für Kinder von 4 bis 12 Jahren mit einem Nachwort über das Stottern

Stottern bei Kindern/ Bernd Hansen, Claudia Iven / Ratgeber für Eltern und Pädagogen

Wenn mein Kind stottert / Ruth Heap / Ein Ratgeber für Eltern

Stottern erfolgreich bewältigen / Angelika Schindler / Ratgeber für Betroffene und Angehörige

Links für Eltern und PädagogInnen

01.01.2010



Familienhandbuch.de

Eltern-Infoblatt der HNO-Univ.Klinik Graz

Sprach- und Sprechstörungen bei Kindern und Erwachsenen - Birgit Lange Köln