ÖSIS Stotternetz Forschung

FORSCHUNG


In den letzten Jahren gab es in der Erforschung der neurophysiologischen Ursachen neue Erkenntnisse: Bei Stotternden funktionieren die Sprachzentren in der linken Hemisphäre nicht richtig, was das Gehirn über einen raffinierten Mechanismus in der rechten Hemisphäre zu kompensieren versucht.

Am Sprechen sind 250 Muskeln beteiligt, und es sind ca. 140.000 Nervenimpulse pro Sekunde notwendig, die in der richtigen Reihenfolge und Intensität abgegeben werden müssen. Eine bewusste Erzeugung dieser Impulsmuster ist undenkbar. Statt dessen wird eine Vielzahl von kleinen Programmen abgespielt, die für jeden Laut, für die Verbindung verschiedener Laute oder für Wörter bzw. Redewendungen gespeichert sind und abgerufen werden können. Um fließend sprechen zu können, müssen wir in der Lage sein, die richtigen Programme in der richtigen Reihenfolge und zum richtigen Zeitpunkt abzurufen. Und jedes dieser kleinen Programme muss einen jeweils korrekten Ablauf gewährleisten. Wenn das nicht automatisch fehlerfrei geschieht, spricht man von einer Störung der Autoregulation. Wenn nun der Stotternde auf die bewusste Regulationsebene zurückschaltet, ist er nicht in der Lage, diese Vielzahl an Bewegungsmustern bewusst zu kontrollieren.

Was man als Stottersymptom beobachten kann, ist also das Ergebnis eines nicht gelungenen Korrekturversuchs.


THE STUTTERING BRAIN - Weblog mit Neuigkeiten aus der Forschung

01.11.2008


Therapiebeschreibung, Videodokumentationen, Fernseh- und Radioberichte, Erfahrungsberichte, fachliche Stellungnahmen, Fachartikel. Gibt es auf der Homepage der KST auch als Multimedia-CD zum Bestellen

01.11.2008


"Neue Erkenntnisse aus Humangenetik und Neurowissenschaften"
Beitrag von Frau Prof. Dr. Kathrin Neumann in der Zeitschrift "Forum Logopädie", März 2007.

15.01.2008


Video-Aufzeichnung des Vortrages von Frau Prof. Dr. Kathrin Neumann beim Bundeskongress der deutschen Stotterer Selbsthilfe Ende September 2006 in Münster.

Während dieser 55 Minuten legt sie die Forschungsergebnisse der letzten 10 Jahre in der Neurowissenschaft dar. Man kennt schon eine Menge Faktoren, die zum Stottern beitragen, daher ist der oft zitierte Satz "Die Ursachen des Stotterns sind unbekannt" nicht mehr richtig.

Unter dem Datum 10.09.2006 finden Sie in dieser Liste den Link zum Beitrag von Frau Dr. Neumann "Wortstau im Gehirn" in der Zeitschrift Gehirn und Geist Nr. 1-2/2005


19.09.2007

Das Medikament Pagoclone wirkt als GABA-A-Modulator. Die Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem und reduziert die elektrische Erregbarkeit von Neuronen. (siehe auch TIB 2005, Behandlung mit Medikamenten)

Bei einer klinischen Studie mit anderer Indikation wurde bei drei Probanden mit der Sekundärdiagnose Stottern eine drastische Symptomreduzierung beobachtet, die nach dem Absetzen des Medikaments wieder verschwand. Das US-Pharmaunternehmen Indevus Pharmaceuticals hat daraufhin als weltweit erste Pharmafirma Patentrechte für ein Stottermedikament angemeldet und verfolgt seitdem Zulassungsstudien für Pagoclone.

Seit April 2005 wurde an 16 Forschungseinrichtungen in den USA mit 130 Probanden eine Phase 2 Studie durchgeführt, mit Phase 3 soll noch 2007 begonnen werden. Eine solche Studie umfasst dann typischerweise einige tausend Probanden.

In den Foren von BVSS und Sprachheilpädogik.de sowie im Weblog The Stuttering Brain gibt es Neuigkeiten zu diesem Thema bzw. eine intensive Diskussion darüber.


08.03.2007

The Australian Stuttering Research Centre (ASRC) was established in 1996 in the Faculty of Health Sciences (Cumberland Campus), The University of Sydney. The purpose of the ASRC is to establish and disseminate knowledge about stuttering and its treatment.


08.01.2007

Beitrag im Deutschen Ärzteblatt über den aktuellen Stand von Forschung und Therapie. Autoren: Prof. Dr. Martin Ptok (Med. Hochschule Hannover), Dr. Ulrich Natke, Horst M. Oertle


08.01.2007

bei Patienten mit in der Kindheit entstandenem Stottern.
Autor: Dr. Martin Sommer (Universität Göttingen, Zentrum Neurologie)


11.11.2006

Neuronale Auswirkungen einer Fluency Shaping - Stottertherapie. Autoren: Katrin Neumann, Christine Preibisch, Anne-Lise Giraud, Harald A. Euler, Alexander Wolff von Gudenberg


11.11.2006

Behandlung des Stotterns mit dem Medikament Olanzapine. Autoren: Gerald A. Maguire, Benjamin P. Yu, David L. Franklin, Glyndon D. Riley (Department of Psychiatry, University of California)


22.10.2006

deutsche Übersetzung von Roland Pauli


22.10.2006

A key to understanding and controlling stuttering. Autor: William D. Parry, National Stuttering Association


10.09.2006

Autor: Dr. Katrin Neumann, HNO-Ärztin und Fachärztin für Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen am Universitätsklinikum Frankfurt am Main